Letzten Freitag wurde meine Spontanität geprüft. Gegen 15:00 Uhr rief mich ein Kunde an, fragt ob ich ein Projekt übernehmen könnte, und ob ich Zeit hätte, am Montag und Dienstag nach Mailand zu reisen.

Das Projekt klang schon am Telefon spannend. Ich habe kurz mit dem anderen Kunden gesprochen, für den ich derzeit tätig bin, um den mittelfristigen Kapazitätsbedarf abzuschätzen und um die Termine am Montag und Dienstag zu verschieben. So komme ich nun also gerade aus Mailand zurück und habe mir angesehen, worum es geht.

Der Mailänder Dom
Der Mailänder Dom

Das CAPI Projekt: Übernahme einer Produktionsabteilung

Mein Kunde ist ein Hersteller von medizinischen Geräten. Nennen wir ihn Buyer. Buyer hat einen Vertriebspartner in Italien, der die Produkte an Verbraucher in Italien verkauft. Nennen wir diese Firma Seller. Die Produkte werden kundenspezifisch angepasst, wofür Seller ein Produktionslabor betreibt. Dieses Produktionslabor möchte Seller verkaufen. Buyer sieht darin eine Gelegenheit, die Geschäftsbeziehung zu intensivieren und möchte diese Abteilung kaufen. Rund 70 Mitarbeiter und die Produktionsstätte sollen übertragen werden, aber die Prozesse sollen unverändert weiterlaufen, so als ob die Abteilung dann immer noch Teil von Seller wäre. Die Produktionsstätte ist dann aber in einer neu zu gründenden Newco, die Tochter von Buyer sein wird.

Meine Aufgabe

Meine Aufgabe soll sein, den operativen Betrieb nach der Transition sicherzustellen. Insbesondere die IT-Unterstützung für die Prozesse sowie die Prozessschnittstellen zwischen Newco und Seller, als auch die Accounting-Prozesse sind der Schwerpunkt. Ich sehe mich als eine Art Statthalter von Buyer in Italien. Vielleicht bin ich auch ein Komunikationshub, der vermittelt zwischen den Parteien.

Die Herausforderung

Als Closing Date ist der 1. April geplant. In Anbetracht dessen, was bis dahin noch geleistet werden muss, klingt es wie ein Aprilscherz. Ein Unternehmen zu übernehmen ist einfach. In diesem Fall wird aber kein Unternehmen übernommen, sondern nur ein Teil. Nur eine Abteilung, die Produktion. Alle anderen Abteilungen und Funktionen fehlen, müssen also bis zum Closing Date aufgebaut werden. Zum Beispiel:

  • Buchhaltung
  • natürlich brauchen wir ein ERP-System
  • und natürlich muss das ERP-System in einem Rechenzentrum gehostet werden
  • Netzwerke, lokal, zum Rechenzentrum, ins Internet, ins Corporate Network von Company-D
  • ein Warenlager
  • eine Logistikabteilung für die Warenwirtschaft
  • bei 70 Mitarbeitern wäre eine Personalabteilung nicht schlecht
  • und ganz sicher eine Lohnabrechnung
  • wir brauchen auch eine Firma, eine Geschäftsführung, ein Bankkonto…

Je länger man darüber nachdenkt, umso länger wird die Liste. Und dabei sind wir hier noch gar nicht auf den Detail-Level. Ist das überhaupt zu schaffen in 8 Wochen?