Vergangenen Freitag habe ich mit einer Gruppe von Führungskräften drei verschiedene Agile Leadership Practices ausprobiert. Hier kommt ein kurzer Bericht, was wir in dem Workshop erlebt haben.

Die Teilnehmer waren alle aus unterschiedlichen Organisationen, vom Teamleiter bis zum Geschäftsführer, aus mittelständischen Software- und Technologieunternehmen. Und alle waren offen, neue Konzepte auszuprobieren, mit denen Unternehmen agiler und letztlich innovativer gemacht werden können.

Wissenschaftler propagieren seit langem den Einsatz von interaktiven Methoden, spielerischen Aktivitäten, visuellen Techniken und Simulationen, um in Organisationen gute Entscheidungen herbeizuführen, Bewusstsein für Veränderungen zu schaffen und im Team zu kommunizieren. Aber wie funktioniert das konkret? Die Methoden, die wir in dieser heterogenen Gruppe ausprobiert haben, stammen von Bestseller-Autor Jurgen Appelo.

Moving Motivators

Warum gehen Menschen jeden Tag in die Arbeit und warum haben sie vielleicht dabei sogar ein Lächeln auf den Lippen? Was treibt uns an? Als erfahrene Manager hatten die Teilnehmer recht schnell eine umfangreiche Liste von Motivatoren zusammengrtragen und dies auch nach intrinsichen und extrinsischen aufgeteilt. Einig waren sich die Teilnehmer aber auch, dass es für den Manager nicht einfach ist, zu erkennen, welche Motivatoren bei welchen Mitarbeitern wirken. Dabei ist genau das wichtig zu wissen, damit der Manager ein motivierendes Umfeld herstellen kann.

Was motiviert uns?
Was motiviert uns?

Das Seminar Management 3.0 – Agile Leadership Practices behandelt zwölf Techniken, wie Manager die intrinsischen Motivatoren ihres Teams kennenlernen können, sowie die Übung „Moving Motivators“.  Dabei werden zehn Klassen intrinsischer Motivatoren zugrunde gelegt, die auf aktuellen wissenschaftlichen Publikationen basieren. Jeder dieser zehn „Motivators“ ist auf einer Karte symbolisiert. Man kann nun die Karten sortieren, von links nach rechts, von wichtig bis unwichtig. In einem weiteren Schritt kann man überlegen, wie sich ein anstehendes Ereignis, eine Veränderung, auf die Motivatoren auswirkt. So ist leicht zu erkennen, ob die Veränderung sich positiv oder negativ auf die Motivation auswirkt.

Moving Motivators-Karten
Moving Motivators-Karten

 

Fazit zu „Moving Motivators“:

  • Es fällt leichter, gegebene Karten zu sortieren, als in freien Worten auszudrücken, was einem wichtig ist.
  • Manager können diese Übung in Einzelgesprächen mit einem Mitarbeiter machen. Der Manager sollte dabei immer die Übung mitmachen.
  • Wenn im Team ein vertrauensvolles Klima herrscht, dann kann die Übung auch als Spiel in der Gruppe gemacht werden.
  • Vor anstehenden Veränderungen kann die Übung genutzt werden, um über Bedenken zu sprechen.

 

Delegation Poker

Delegation ist wohl die essentiellste Management-Aufgabe – und zugleich vielleicht die schwerste. Wie kann man richtig delegieren und dies auch so kommunizieren, dass es von den Mitarbeitern richtig verstanden wird? Die Agile Leadership Practice dazu sind sogenannte Authorization Boards. Delegation ist dabei nicht schwarz oder weiss, sondern es gibt viele feine Abstufungen, wieweit eine Verantwortung delegiert ist und wieweit der Manager eingebunden ist. Dennoch bleibt das Problem, die richtige Stufe zu finden. Manager und Team müssen sich darüber einig sein.

Das Kartenspiel Delegation Poker ist dafür ein tolles Hilfsmittel. Gespielt wird es vom Manager mit seinem Team. Ein Spieler gibt ein Szenario vor, dann gibt jeder Spieler seine Einschätzung ab, auf welcher Delegationsstufe dieses Szenario angesiedelt sein sollte. Das führt zu reger Diskussion.

Beim Spielen mit den Workshop-Teilnehmern war zu beobachten, dass anfangs die Einschätzungen sehr unterschiedlich waren. Nach ein paar Runden Delegation Poker hatte die Gruppe aber ein gemeinsames Gefühl entwickelt und die Einschätzungen lagen viel näher beisammen.

Workshop-Teilnehmer spielen Delegation Poker
Workshop-Teilnehmer spielen Delegation Poker

 

Meddlers

Unternehmen müssen flexibel sein. Das Umfeld ändert sich und die Organisation muss darauf reagieren. Um unter diesem Aspekt richtig aufgestellt zu sein, gibt es verschiedene Ansätze. Etwa spezialisierte Generalisten einstellen („T shape“), Netzwerkstrukturen berücksichtigen, den richtigen Mix aus funktionsübergreifenden Teams und funktionalen Teams,  teamübergreifende Kommunikation, und, und, und… All diese Aspekte des Organisationsaufbaus werden in dem Seminar behandelt, aber in diesem Workshop hatten wir nur wenig Zeit, um alles kurz anzusprechen. Da die Teilnehmer aber ein fundiertes Vorwissen mitgebracht haben, konnten wir uns auch an diese Übung wagen.

Meddlers
Meddlers

Meddlers ist ein Brettspiel, das an die „Siedler von Catan“ (engl. „Seddlers“) angelehnt ist. Während bei den Siedlern eine Insel aufgebaut wird, wird bei Meddlers eine Organisation aufgebaut. Gespielt wird in kleinen Teams von zwei oder drei Spielern. Es gibt nacheinander mehrere Aufgaben, die einen Umbau der Organisation erfordern. Die Teams kommen in der Regel – so auch in diesem Workshop – zu unterschiedlichen Ergebnissen und können sich gegenseitig ihre jeweilige Lösung erklären. Sehr inspirierend.

Schlusswort

Die Aussagen aus den Debriefings zeigen, dass die hier behandelten Agile Leadership Practices überwiegend als praxistauglich eingestuft wurden. Bei Meddlers gab es allerdings die Schwierigkeit, dass in der heterogenen Gruppe (jeder Teilnehmer aus einem anderen Unternehmen) ein einheitlicher Kontext fehlte. Ein Blick auf die Feedback Door verrät, dass wir alle nicht nur viel Spass an diesem Nachmittag hatten, sondern auch alle etwas gelernt haben.

Ich möchte mich nochmal bedanken bei der Firma TechDevision, die uns den Raum für diesen Workshop zur Verfügung gestellt und mit wunderbarem Kaffee verwöhnt hat. Das Ambiente in der Alten Spinnerei in Kolbermoor ist wirklich toll.

Ich kann mir gut vorstellen, einen solchen Workshop nochmal durchzuführen. Falls Sie, lieber Leser, dabei sein möchten, schreiben Sie mir und ich werde Sie rechtzeitig informieren.

Feedback Door
Feedback Door