IT-Projekte gehen am Bedarf vorbei, so lautet die Synopsis einer kürzlich durchgeführten Befragung (Fomaco Group). Dabei hat sich in den letzten zehn Jahren viel getan. Projektportfolio-Management, Demand Management und Vorgehensweisen werden zelebriert seit in den 90er Jahren Analysten die Branche mit Zahlenwerken darüber aufschreckten, wie viele Projekte in der IT erfolglos beendet werden.

Kürzlich sprach ich darüber mit einem IT-Controller, der in seinem Umfeld ein Ungleichgewicht festgestellt hat. Bei den Projekten gäbe es umfangreiche Kennzahlen. Über zwei Drittel ‚seines’ Geldes gingen aber in den Betrieb und genau dort täte er sich sehr schwer, den Erfolg zu beurteilen. Ich konnte diese Einschätzung gut nachvollziehen, denn sie spiegelt wieder, was ich in vielen Unternehmen schon gesehen habe: Der Betrieb ist das ungeliebte Kind. Die IT präsentiert sich unternehmensintern lieber über die Projekte, die sie durchführt. Es macht ja auch mehr Spaß in Projekten Neues zu schaffen. Projektleiter können groß rauskommen, wenn das Projekt läuft. Dagegen können Betriebsleiter mit guter Arbeit nur Tadel vermeiden. Sind die IT-Organisationen zu projektlastig geworden?

Die Infrastruktur-Lieferanten machen sich die Situation zunutze, denn offenbar investieren viele IT-Organisationen lieber in Überkapazitäten als in eine optimierte Steuerung. Was gerade noch das Bauchgefühl des oben zitierten Controllers war wird durch Zahlen von IDC am Beispiel Unternehmensnetzwerk belegt. Anstatt vorhandene Ressourcen optimal einzusetzen – was bei Projekten selbstverständlich gemacht wird –, werden im Netzwerk bestehende Probleme lieber mit mehr Bandbreite als mit intelligentem Ressourceneinsatz zu lösen versucht.

Kann man das Problemkind Betrieb vielleicht zur Adoption freigeben? Soll ein Outsourcer den Betrieb machen und sich mit Kapazitäts- und Change Management rumärgern während die interessanten Projekte ‚inhouse’ gemacht werden. Das funktioniert nur selten. Zwar wird der interne Full-Service-Provider als Auslaufmodell angesehen, aber Entwicklung (Projekt) und Betrieb gehören beim selektiven Outsourcing zusammen. Und vor allem kann man die Kontrolle des Betriebs nicht an einen Dienstleister übertragen. Die IT muss sich also zum Betrieb bekennen und sollten diesem einen angemessenen Stellenwert geben.
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