Wer vertritt eigentlich die Interessen des Projekts? Natürlich der Projektmanager. Alle anderen Stakeholder haben eigene Pläne, die mal mehr und mal weniger mit den Zielen des Projekts zusammenpassen. Deshalb ist es so wichtig, dass der Projektmanager ausschließlich im Sinne des Projekts handelt, das drücken auch Berufskodizes wie der „Code of Ethics and Professional Conduct“ vom PMI aus. Aus diesem Grund ist es so wichtig, den Projektmanager so zu besetzen, dass er keine Interessenkonflikte hat.

Was gibt es für Optionen?

Der interne Projektmanager

Diese Option ist so nahe liegend wie einfach zu realisieren. Es fallen nur eh-da-Kosten an und natürlich ist die Person bestens mit der Organisation vertraut. Allerdings hat diese Option auch das größte Potenzial an Interessenkonflikten:

  • Der Mitarbeiter hat meist noch eine Linienaufgabe, die seine Arbeitszeit beansprucht.
  • Der direkte Vorgesetzte des Projektmanagers könnte einen unverhältnismäßig großen Einfluss nehmen, andere Stakeholder könnten weniger berücksichtigt werden. Unter einer solchen Konstellation leiden Projekte.
  • Projekte führen Veränderungen herbei und Veränderungen schmerzen manchmal. Kann der Kollege Projektleiter als Verursacher dieser Schmerzen gelten? In wieweit denkt er daran, dass der mit den Kollegen, denen er die Schmerzen bereitet, noch viele Jahre zusammenarbeiten muss? Und was bedeutet das für seine Karriere?

Der externe Berater als Projektmanager

Ein Externer kann seine Arbeitskraft ins Projekt einbringen und muss keine Rücksicht auf ein gutes persönliches Verhältnis mit den Kollegen nehmen. Hier kann es aber andere Interessenkonflikte geben. Beratungsunternehmen sind typischerweise so organisiert, dass junge Berater überwiegend Projektarbeit machen und je erfahrener ein Berater ist, umso mehr Führungs- und Umsatzverantwortung trägt der Mitarbeiter. Der KPI ist hier die Auslastung der unterstellten Mitarbeiter.

Als Projektleiter kommt ja nur ein erfahrener Berater in Frage. Das ist also jemand, der danach bemessen wird, wie gut er seine Mitarbeiter verkauft. Kann diese Person für das Projekt die besten am Markt verfügbaren Personen einkaufen? Und wird diese Person die im Projekt nicht mehr benötigten Ressourcen unmittelbar freigeben? Die Interessenkonflikte sind offensichtlich.

Immer schön sauber bleiben

Als Freiberufler ohne eigene Mitarbeiter habe ich in der Regel recht wenige Interessenkonflikte. Und ich sorge selbst dafür, dass dies so bleibt. Beispielsweise bat mich in diesem Jahr ein Kunde, einen anderen Freiberufler als meinen Subauftragnehmer in einem Projekt mitarbeiten zu lassen, anstatt dass mein Kunde den Kollegen direkt angeheuert hätte. Da stellt sich natürlich die Frage, wie viel man auf den Stundensatz des Kollegen drauf schlägt – „handling fee“ nennt man das wohl. 10%? Oder 20%? Ich habe mich für Null entschieden und stattdessen meine Arbeitszeit für die Verwaltung des Kollegen verrechnet. War das dumm von mir?

Genau in diesem Projekt ist es aber dann passiert, dass sich die externen Bedingungen so geändert haben, dass man das Projekt sinnvollerweise umgehend stoppen musste. Das war meine Aufgabe als Projektleiter. Ob ich das Projekt auch so schnell heruntergefahren hätte, wenn mir quasi eine „Provision“ auf die erzeugten Kosten zustünde?